Prof. Dr. Karin Labitzke
Fachbereich Geowissenschaften
Institut für Meteorologie
Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10, 12165 Berlin, Germany
Telefon (030) 838 71 166
Zeitreihe des Gesamtozons (DU) über der Nordhemisphäre, ab 1979,
sowie der Sonnenaktivität, für die Sommermonate Juni und Juli.
Daten: Ozon: NASA, Sonnenaktivität: World Data Center for STP,
Boulder, USA
Einführung
In fast jeder Diskussion über Umweltprobleme, ob Treibhauseffekt,
Grundwasserverschmutzung oder Überschwemmungen, fällt früher
oder später das Wort "Ozonloch" - jeder Laie benutzt es mit
einer verblüffenden Selbstverständlichkeit. Obwohl er kaum wissen
kann, was sich hinter dem Wort "Ozonloch" wirklich verbirgt,
fühlt er sich laut Meinungsumfragen (in Deutschland) im Vergleich zu
allen anderen Umweltproblemen von dem Ozonloch am meisten bedroht. Und
manche Presseberichte schüren diese Angst, indem gelegentlich im Winter
vollkommen unsachgemäß and falsch von einem Ozonloch über
Deutschland berichtet wird.
In der Wirklichkeit handelt es sich um einen besorgniserregenden langfristigen,
bis in die Mitte des nächsten Jahrhunderts andauernden Abbau des Ozons
(siehe Abbildung 2, der durch die
Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs), aber auch durch den Anstieg anderer
anthropogener Spurenstoffe verursacht wird. Deshalb wurden Maßnahmen
ergriffen, um die Produktion und den VErbrauch dieser gefährlichen
Produkte weitgehend zu stoppen.
Es muß aber auch klargestellt werden, daß sich auf der
Nordhemisphäre bis jetzt kein "Ozonloch" ausbilden kann, so
daß in Deutschland während des ganzen Jahres vor den Sonnenstrahlen
keine Angst herrschen muß, wenn man sich gegen Sonnenbrand schützt -
wie es auch früher üblich war. Wirklich vorsichtig muß man bei
allen Reisen in den Süden sein.
Natürliche Verteilung des Ozons
Die Produktion des Ozons findet hauptsächlich in der Stratosphäre
in einer Höhe von 20 bis 30 km über den Tropen statt, denn nur hier
ist, bei hohem Sonnenstand, die Strahlungsintensität für die
Photolyse ausreichend stark. Von den Tropen wird das Ozon durch
vorherrschende Winde in die mittleren und hohen Breiten abtransportiert.
Die Abbildung 1 zeigt, daß in den
Tropen, also gerade dort, wo die Sonne am höchsten steht, der Ozongehalt
am geringsten ist. Das bedeutet, daß dort, in den Tropen und Subtropen,
die UV-Strahlung und damit die Sonnenbrandgefahr besonders hoch ist, vor
allem bei hellhäutigen Menschen. Nicht zufällig sind die
Naturvölker in den Tropen meist dunkelhäutig und damit an die starke
Strahlung angepaßt - und nicht zufällig befinden sich
"Traumziele" europäischer Urlauber in diesen Regionen, da die
"Urlaubsbräune" eine Art Status-Symbol ist.
In Mitteleuropa finden sich im Jahresmittel Werte des Gesamtozongehalts
zwischen 340 und 360 Dobson-Einheiten (siehe
Abbildung 1). Besonders im Winter und
Frühling schwanken diese Werte bei bestimmten Wetterlagen von Natur aus
zwischen 200 und 500, genau wie der Luftdruck auch. Menschen und Pflanzen
sind daran gewöhnt.
Ozontrend
Insgesamt hat das Ozon in der Stratosphäre in den letzten zwanzig
Jahren um etwa 2-3% pro Dekade abgenommen. Diese Abnahme ist aber
räumlich und zeitlich sehr unterschiedlich. In den Tropen und Subtropen
sind noch keine signifikanten Änderungen aufgetreten.
Besonders deutlich ist dagegen der Ozonabbau über der Antarktis im
Südfrühjahr (September bis November), wo im Bereich des
sogenannten "Ozonlochs" der Gesamtgehalt des Ozons in dieser
Jahreszeit auf etwa die Hälfte des Wertes vor 1975 abfiel.
In den mittleren und hohen Breiten der Nordhemisphäre wird eine
Trendanalyse durch die große natürliche Variabilität
besonders erschwert.
Die Titelabbildung zeigt für die Sommermonate Juni und Juli den
zeitlichen Verlauf des Gesamtozongehalts, zusammen mit dem 11-jährigen
Sonnenfleckenzyklus. Beide Kurven nehmen einen ähnlichen Verlauf, und das
Ozon zeigt am Anfang der Kurven, d.h. im Maximum des Sonnenfleckenzyklus,
hohe Werte an, im Minimum 1986 niedrige Werte, und 1991, im nächsten
Maximum der Sonnenaktivität wieder hohe Werte. Dieser Zusammenhang mit
der Sonnenaktivität bedeutet, daß es sich auch um eine
natürliche Schwankung des Ozons handelt, und daß im Maximum der
Sonnenaktivität immer etwa 3% mehr Ozon vorhanden sein werden als im
Minimum.
Die Ozonwerte im Sommer 1991 sind genau so hoch wie im Sommer 1979, dem Beginn
dieser Datenreihe, das heißt, daß ein Langzeittrend im Sommer
für die Nordhemisphäre nicht vorhanden war.
Speziell bemerkenswert sind nun aber die besonders großen Abnahmen des
Ozons nach 1982 und nach 1991. In beiden Fällen sind besonders starke
Vulkaneruptionen festzustellen: El Chichon in Mexiko, April 1982, und
Pinatubo, Philippinen, im Juni 1991. Diese Eruptionen führten zu einer
drastischen Erhöhung des stratosphärischen Aerosols (kleine
Schwefelsäuretröpfchen), die über eine komplizierte
heterogene Chemie zur Zerstörung des Ozons beitragen. Das heiß, daß in den Jahren nach diesen Eruptionen der anthropogene Ozontrend durch
nat&uum;rliche Prozesse verstärkt wurde. Im Sommer 1994 hatte sich die
Ozonschicht aber fast vollständig von diesem Schock erholt (siehe
Titelabbildung).
Maßnahmen zur Reduktion des Chlorgehalts
Eine Abnahme des stratosphärischen Ozons erhöht in vielen Regionen
der Erde die gefährliche UV-B-Strahlung, die für die Zunahme der
Hautkrebsraten verantwortlich gemacht wird. Die Völkergemeinschaft hat
diese Gefahr erkannt und 1985 wurde das Wiener Abkommen zum Schutz der
Ozonschicht unterzeichnet. Die Ausführungsbestimmungen des Abkommens
wurden zuerst 1987 in Montreal festgelegt, dann aber 1990 in London und 1992
in Kopenhagen weiter verschärft.
Die Abbildung 2 zeigt den Anstieg des
für die Ozonzerstörung besonders verantwortlichen Chlorgehalts,
und wie er sich verändern wird, je nachdem, welches Abkommen eingehalten
wird. Deutlich erkennt man dabei, daß das Protokoll von Montreal
keinesfalls ausreicht, und daß man unbedingt versuchen muß, das
in Kopenhagen verschärfte Abkommen umzusetzen. Dann würde nach
Modellberechnungen der Chlorgehalt noch bis zum Jahr 2000 steigen und
danach langsam wieder abnehmen. Als kritischer Wert gelten seit dem
Auftreten des Ozonlochs 2 (ppbv); dieser muß zum Schutz der Ozonschicht
unbedingt erreicht werden.
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